Durch eine Indiskretion aus der Führungsetage der Deutschen Telekom war  bekannt geworden, dass Ron Sommer sich anschickte, seinen Nachnamen zu anglisieren.
Werbeagentur DESK hatte ihm dazu geraten: Der von ihm gewählte Vorname RON helfe wohl, seinen Bekanntheitsgrad im Ausland zu fördern. Aber noch wirksamer wäre es, wenn Sommer im zweiten Schritt auch einen englischen Nachnamen in Feld führen könnte. Im Ausland würde ´Summer´ (natürlich in der englischen Aussprache Sammer) einen guten, optimistischen Klang abgeben. Das stehe dem Leiter des global players Telekom zu, es würde auch mit der weiteren internationalen Expansion Hand in Hand gehen.
Agentur DESK (Desk for innovative Kicks GmbH & Co. KG) steht in gutem Ruf, seitdem sie bei der Deutschen Telekom Neubenennungen  wie FREE CALL, CTY CALL, REGIOCALL und – um das deutsche Deutsch ganz zu vermeiden - GERMAN CALL durchgesetzt hatte. Ihre Aktion wurde von aufstrebenden Mitarbeitern derart verinnerlicht, dass eine Telekom-Angestellte, im SERVICE POINT nach dem Tarif für ein ´Stadtgespräch´ gefragt, nur mit der Gegenfrage antworten konnte: „Wohin wollen Sie telefonieren?“ Als sie feststellte, dass von einem Anruf innerhalb Berlins die Rede war, kam das befreite „Ach so“,  über ihre Lippen,  „Sie sprechen also  von einem CITY CALL?“

Allerdings hat DESK seit langem in der Advanced Aquisition Achievements GmbH (AAA) einen aufmerksamen Konkurrenten. AAA ist dafür verantwortlich, dass hierzulande über fast allen Postämtern nicht mehr eine altväterliche deutsche Bezeichnung steht, sondern das viel modernere  ´Mc. Paper & Co.´ zu lesen ist. 
Ihr Vorstandsmitglied, Conrad E. F. Schmidt, erschien eines Morgens im Chefbüro der Deutschen Telekom. Nach kurzem small talk warnte der Agenturmann vor der Namensänderung Sommers. Sie werde in Deutschland kontraproduktiv laufen, wo es doch noch einfache Seelen gäbe, „die nicht alles, was sie lesen, automatisch auch englisch aussprechen.“  Viele biedere Bürger würden das englische Summer mit einem deutschen ´u´ lesen, also SUmmer sagen und das würde nicht sympathisch, wenn nicht gar komisch klingen, vielleicht sogar an jenes ärgerliche Summen in der Telefonleitung erinnern, das die Telekom energisch, wenn auch oft mit mäßigem Erfolg bekämpfe.

Sommer, der schon 5000 Visitenkarten mit dem global wohllautenden Namen  Ron Summer bestellt hatte, hörte erstaunt auf. Er ist ein schneller Denker, was bedeutet, dass er auch das schnelle Umdenken beherrscht. Also zeichnet er nach wie vor mit dem Nachnamen SOmmer (achten Sie auf das „o“). Die Deutschen, das sah auch der intelligente Postchef ein, sind noch nicht reif für Anglisierungen höheren Grades.

DESK hat sich jetzt auf einen etwas bedächtigeren Fortschritt eingestellt. Die Agentur sucht zurzeit nach einem pfiffigen Namen für das Fax-Gerät.  Warum nicht einfach ´faxy´ (zu sprechen ´fäxi´)?  Das wurde an das ´handy‘ erinnern und fast ebenso progressiv klingen.                                                        
                                                                                                                                                             (2000)

 © Werner Hadulla