Limericks-Kerlchen und Kerle






 
 Es sagte der Weise am Leche: 
 „Ich meide die Frauen, ich zeche.
 Ich habe beileib'
 viel Schwäche fürs Weib.
 Nur fehlt mir die Kraft für die Schwäche."

 Es lebte ein Opa in Danzig
 so sportlich, als wäre er zwanzig.
 Er hing an den Ringen
 und konnte noch springen.
 Im Kopfstand nur roch er schon ranzig.

 

 
 Die blonde Susanne in Aurich,
 wenn ich sie nur seh, bin ich traurig.
 Ist klug und hat Charme,
 seit langem mein Schwarm.
 Nur mag sie mich nicht, das bedaur-ich.

Mir schrieb meine Freundin aus Aigen:
„Ich will dir's nicht länger verschweigen.
Du bist mir zu schwierig,
seit Wochen studier' ich
am Samstag die Heiratsanzeigen."
  
   
 Da schaute ein Kerl in der S-Bahn
 ein Mädchen sich lange und keß an
 und malte sich aus,
 er brächt sie nach Haus,
 und dann war ein kleiner Exzeß dran.
 
 Doch sie dachte kühl in der S-Bahn:
 „Du Armer, stehst Du unter Streß, Mann!
 Du hast einen Blick,
 als gäb's kein Zurück.
 Daß ich's aber sein soll, vergeß-man."
 
 Sie sprang aus dem Wagen in Essen
 und hatte den Kerl bald vergessen.
 Und er fand direkt
 ein anderes Objekt
 und träumte von neuen Exzessen.

 
 Im Dörfchen Corvara am Pass,
 dort trinkt man bis morgens vom Faß.
 Und geht man nach Hause,
 wird unter Gebrause
 beim Nachbarn der Gartenzaun naß.

 Der uralte Onkel aus Soest
 hat alle Verwandten erbost.
 Worüber man klagte,
 er nickte und sagte:
 „Da hilft nur ein Klarer, denn Prost!"

 
 
Ein munterer Opa aus Peiskretscham, 
der wurde zum drittenmal Bräutigam. 
Er sagte: „Es liebt sich 
ganz prächtig mit siebzig. 
Ich kenne kein besseres Trimmprogramm." 
 
So lebte der Opa aus Peiskretscham 
im Geist von Olympia sportlich-stramm. 
Er trimmte mit Macht sich 
auch weiter mit achtzig 
und folgte dem Motto: Cherchez la femme. 
 
Dann schrumpfte der Opa aus Peiskretscham, 
verlor schließlich Kilo- um Kilogramm. 
Was keinen verwundert: 
Er ließ es mit hundert. 
Besucht jetzt die Frau'n in memoriam.

„Was soll's", sprach der Weise aus Heist,
 „die Leute sind denkfaul und dreist. 
 Doch sollst du nicht klagen 
 und Groll mit dir tragen. 
 Was zählt, ist der eigene Geist."

Es lehrte der Weise aus Theben:           
„Man nehme, wie´s einem gegeben!              
Ob Haar oder Glatze,                           
man hat´s - oder hat´se.                     
Man kann doch mit beidem gut leben.


© Werner Hadulla - Illustrationen Hans Weber