Lieber Hans Weber,         

 
was ist das doch für ein mühsames Geschäft, im Zweikampf gegen Reim und Rhythmus einen Limerick zu schreiben. Der Illustrator hat es da leichter: Seine Feder kann zügig den springenden Punkt anpeilen und er genießt dabei das ungeheure Privileg, dass sein Werk nie nach unsauberen Reimen oder metrischen Sünden durchkämmt wird.

Aber zugestanden, auch die Illustration hat ihre Schwierigkeiten. Unerlässlich  ist, dass der Zeichner immer weiß, welcher Stil, welche Bilder dem jeweiligen Gedicht gut stehen.  Er darf nicht einfallslos ausmalen, was der Verstext ohnehin sagt, muss im Gegenteil seine Bildaussage unabhängig entwickeln und mit seinem Witz ureigen garnieren. Wenn es ihm gelingt, den Leser vorzuwärmen, ihm schon ein Lächeln auf die Lippen zu zaubern, bevor er den Text liest, hat der Autor halb gewonnen.

Ich hatte Glück, Dich 1980, nach langer Suche, zu treffen - einen Zeichner, der es glänzend beherrscht, Verse anschaulich umzusetzen und sie dabei um bildliche Pointen zu erweitern. Du bist ein Meister der Situations-Beschreibung aber auch ein Meister des Pars-pro-toto, meisterlich auch der intelligente, sparsame Strich, mit dem Du Mimik und Gesten Deiner Braven und Bösewichte skizzierst - lakonisch, eindringlich und treffend, wie es nur die Großen Deiner Zunft können.

Was wären meine Limericks ohne Deine ständige Begleitung. Einige von Ihnen, wie auch  manche Aphorismen, sind in  Anlehnung an eine Deiner Skizzen entstanden.

Auch wenn ich hier nur von unserem direkten Berührungspunkt, Deinen satirischen und heiteren Zeichnungen, spreche, so weiß ich, dass sie nur ein Teil Deines Schaffens sind. Deine symbolhaften, bildfüllenden Grafiken, vor allem aber die surrealistischen Acryl- und Ölgemälde  sind Dir, so glaube ich, mindestens ebenso  wichtig. Wann kann man in einer Hans-Weber-Homepage viel von ihnen sehen und sie bewundern?

Dir herzlich verbunden grüßt
Dein literarischer Gefährte

Werner Hadulla