Vom Dichten und Reimen

 

ZEILE FÜR ZEILE

Wenn ich auf deiner Bude weile
(wie schön beginnt die erste Zeile)
und stürmt Dein Freund herbei in Eile,
wird´s anders (in der 4. Zeile).

Derweil ich nach der Jacke peile
(sofort, noch vor der siebten Zeile),
ergreift er wild das Hackebeile
(vertrackter wird’s mit jeder Zeile).

Er faucht, jetzt haut er mich in Teile -
(das wird nichts, mit der nächsten Zeile).
Doch hält er ein,  ne kleine Weile
bleibt mir für eine weitre Zeile.

Kein Hieb? Ein Tritt ins Hinterteile!
Erleichtert schreib ich diese Zeile.
Denn das vertrag ich alleweile.
Zu schön war doch die erste Zeile.













 
EINSICHT

Mich hat still und heimlich
die Muse geküsst.
Wie wär es mir peinlich,
wenn Gerda das wüsst.
 
Sie liegt da und wartet
im Nachtlämpchenlicht.
Und ich bin entartet,
ich mach ein Gedicht.

Wahrscheinlich kein Gutes.
Ich hör damit auf.
Wart' Gerda, gleich geht es
die Treppe hinauf.






 
FATUM

Gäb`s keine Kritiker und Spötter,
uns Dichter machte gar nichts bange.
wir alle lebten wie die Götter,
wenn auch nicht ganz so lange.
 
 

© Werner Hadulla - Illustratrionen Hans Werber