Strophe an Strophe

 
ZEUS UND HERA
 
Er kam als Stier, als Schwan, als Faun
Als sonnenheller, goldner Regen.
Nahm sterbliche und Götterfraun,
und mancher kam’s nicht ungelegen.

So fragte dankbar ihren Schwan
die Leda mit verklärtem Blick:
"Du hast mir wahrlich gut getan,
Du kommst doch doch sicher bald z urück?"

Auf Danaë fiel goldner Regen.
Sie wusste nicht, was ihr geschah.
War arglos, doch - bei Zeus! – von wegen,
nach Wochen war ihr alles klar.
 
Europa trug er auf dem Rücken,
als Stier. Sie riss ihn an den Ohren.
Doch später ließ sie sich beglücken:
drei Söhne hat sie ihm geboren.
 
Und was dem Hehren niemals schwer war:
um Nymphen war es schnell geschehn.
Nur leider hat sein Weib, die Hera,
ihm oft von oben zugesehn.
 
Die Göttin sah es aus der Ferne,
durch Sphären dröhnte ihr Geschimpfe,
vom Himmel riss sie wütend Sterne,
versteinerte so manche Nymphe.
 
So waren Griechengötter eben,
voran das höchste Götterpaar.
Der Berg Olymp war reich an Leben,
solang er Götterwohnsitz war.
 
 
 
 
 


DIE FERNE
 
Was die Entfernung anbetrifft,
so braucht man sie zum Seelenweiten.
Ob himmelhoch, ob eingeschifft:
geht es nur fort - in ferne Breiten!
 
Die Eifel ist ein alter Hut,
die Alpen hab ich längst erklommen.
Der Harz tut nur Senioren gut,
ich hab mir Größres vorgenommen.
 
Heut kann ein jedermann sein Ziel,
und seine Lust plus Image wählen.
Kommt er zurück, durchschaut er viel
und kann Erstaunliches erzählen.
 
In Thailand blüh´n die Orchideen
umsonst und frei - ein Farbenfeuer.
Man kann auch zu den Mädchen geh´n,
zwar nicht umsonst, doch auch nicht teuer.
 
Auf Palma gibt es deutsches Bier
und echtes Igloeis zum Schlecken.
So recht pflegt beides doch erst hier,
am vollgepackten Strand zu schmecken.
 
Kein Nashorn lebt im deutschen Wald,
wie kann man da zu Hause bleiben?
Flieg hin nach Kenia, wo sie bald
dir eines vor die Flinte treiben.
 
Im Ashram wohnt ein weiser Mann -
kannst einen Flug ins Dharma buchen.
Vielleicht turnt´s dich ein Weilchen an?
Du solltest das doch auch versuchen.
 
Was die Entfernung anbelangt,
uns ist die ganze Welt zu eigen.
Wir sind nicht arm, Gott sei´s gedankt.

Darf ich jetzt meine Dias zeigen?


 

           W E I T E R   R A U C H E N
 
Im Wuppertal steht eine Waschanstalt
für kustvoll ausgebaute Lungenflügel. 
Sie sind um dreißig, vierzig Jahre alt,
und hängen kühl - steril am Nylonbügel.
 
Und wenn in Nachbarschaft und finstrer  Nacht
ein Sterbenskranker pfeift aus kranken Lappen ,
 er wird nach Barmen zum OP gebracht
wo sie ihm  die maroden Flügel kappen.
 
Im schnellen Austausch gibt´s vom Nylonbügel
mit lang   bewährter  Gütegarantie
zwei fehlerlos  entteerte Lungenflügel. 
Reklamationen hört man praktisch nie.
 
Die Lungenwäsche und das Tauschverfahren
erfand   die rege Tabakindustrie, 
se stiftete die Barmer Waschanstalt
der alten Uniklinik vis-a-vis,

um ehmals kranke Lungen neu zu brauchen,.
Und jeder ihrer treuen Kunden weiß,
er kann beruhigt
  WEITER RAUCHEN.                   
        

                REDEZWANG
  
Wenn Mädchen auseinander gehn,
dann bleiben sie noch lange stehn.
Und tönt´s am Telefon: "Bis dann",
fängt gleich die nächste Runde an.

Und viele stehen lebenslang
noch weiter unter Redezwang.
Dann stört schon mal am langen Küssen
das auferlegte Still-Sein-Müssen.

So geht´s auch vielen unsrer Knaben,
die immer was zu melden haben.
Sie schwadronieren, reden, dröhnen,
im Stimmbruch gar in allen Tönen.

Auch später,  trotz Geheimratsecken,
schwatzt man so weiter, ums Verrecken.
Ob mit, ob ohne Alkohol:
sich selbst zu hören, tut so wohl.

Sie quasseln ständig, unentwegt,
bis man sie still zu Grabe trägt.
Ich fürcht nur, dass im Garten Eden
sie bald  schon wieder reden . . .   reden.
 


 



© Werner Hadulla