Gedacht, vermutet













 

 COGITO – ERGO SUM

Eine Sicherheit
hat uns Descartes
geschenkt:
Dass man da ist,
weil man denkt.

Aber nicht nur
dass man denkt
ist wichtig:
wer partout nicht
richtig denkt,
ist wohl auch
nicht richtig.

Doch ich meine,
dass ich bin.
Wird mein Kopf
auch oft gerügt,
dies und das
versteht er
immerhin.

Das ist tröstlich,
das genügt.


 

DER ÜBERMENSCH
eine Gegenrede

Der Übermensch schlief nie im Zuge,
er schlief im warmen Überzug.
Oft waren ihm ein Überrock
und warme Hosen nicht genug.

Das weiß man doch, dass Friedrich Wilhelm Nietzsche,
der Übermensch, der schwer am Rücken trug,
in Pelze eingewickelt saß und suchte
nach Herrentum und Geistesüberflug.

Und dann die Überfraun, die Amazonen,
bekannt durch ihre solitäre Brust,
bei keinem Wetter ließen  sie sich schonen, 
sie  zeigten Frau und  Männerüberfrust.

Ob über Übermann und Überfrau
ich hier noch weitres überliefern soll?
Ich meine doch, ihr habt es  lange über
die Nase davon überreichlich voll.

Nur eines sei euch noch
ins Überich geschrieben:
den Menschen sollt ihr,
nicht den Übermenschen,
den Nächsten, nicht den
Übernächsten lieben.


DIE EVOLUTION

Ach ja, die E-vo-lu-ti-on:
Sie gab der Kuh den Schwanz,
um freche Fliegen zu vertreiben,
der Fliege aber den Verstand,
dem Schwanze peinlich fernzubleiben.

Höchst unparteiisch ist ihr Tun:
Denn selbst der schnellste Rinderschwanz
kann nur die Biester hinten kriegen.
Und vorn am Maule hängt ein Kranz
von eklig dreisten, fetten Fliegen.

Warum wuchs unserm Rindvieh nicht
auch vorn ein starker Schweif hinzu,
ein Wächter über Maul und Nase?
Kein Brummer käme mehr zur Ruh,
und mancher läge tot im Grase.

Was aber schert die Evolution
des Rindviehs simpler Tageskummer?
Die Art lebt fort auf grüner Weide
und auf dem Rinde lebt der Brummer.
Zu Füßen finden Nahrung beide.






 

ERKENNTNIS

Heut in der
Erkenntnistheorie
kam mir die Erkenntnis:
das verstehst Du nie.
Ein Erkennen muss
dem andern weichen,
nur das eine bleibt:
das Fragezeichen.

Phyrron wusste einfach
dass er gar nichts weiß,
Schenkte alles Ja und Nein
dem gemeinen Zeitenfraß.
Theorien und Maximen
unterliegen dem Verschleiß.
Endlos bleibt die Frage:
Was ist wirklich,
quod est veritas?

(Urtext vor 1950)




 



NICHTS ?

Ein maßlos großes Nichts 
mit nichts drum rum
von einem Nicht-Vorhandnen
ausgeheckt?
 
Wie könnte dieses Nichts
wie konnte seine Existenz
wohl einem Nichts entspringen?

Dem Sein ist es als Widerpart
von unsrer Logik abgerungen,
als ob das grenzenlose Sein
sich dem beengten Hirn erschlösse.

 



AN TEILHARD DE CHARDIN
 
Du ahntest:
 
Der Sinn beherrscht
die Kristalle.
Der Zufall ist fügsam,
erfüllt das Gesetz.
 
Das Ziel

liegt vor der Gestalt,
der Baum vor dem Keim,
das Grün vor dem Blatt,
Programm vor dem Werden.

Du sagtest:
 
Gehorchend entstehen
Gestirne,
erfüllen den Plan
im Überwurf Zeit;

der Ursprung ist Ziel.



EINS - ZWEI - DREI

Überall die Illusion der Sinne,
die seit Urzeit unser Hirn betören.
Gaukeln Räume, Sphären auseinander,
Zeiten, Enden die ins eins gehören.

Denn nach Einsteins Relativität
gibt´s bedingt nur  1,2,3 und Pi,
jenes Vorn und Hinten, Früh und Spät:
nur im Auseinander leben sie.

Über uns regieren Dimensionen,
die nach anderen Statuten walten,
die das Weltenall  und die Äonen
mühelos in eins zusammenfalten.
 
Doch die Illusion ist unser Leben,
bunt und leuchtend liegt vor uns  die Welt.
Sterne, Wolken, Berge wird es geben,
bis das alles ineinander fällt.


© Werner Hadulla - Illustratrionen Hans Werber