Allerlei Getier

DIE VETTERN

Mit fliegenden Schwänzen,     
hechten die Affen.   
Da können wir Menschen
nur dastehn und gaffen.

Wie flink unsre Vettern
in luftigen Bäumen  
so springen und klettern,
das kann man nur träumen.

Wir können zwar lesen 
und rechnen und schreiben,
doch was mal gewesen,
muss heut unterbleiben.

O Menschlein besinn Dich,
auf das, was Du bist!
Sie zu, dass Du in Dir
den Affen vergisst.




 


DER URZEITLEGIONÄR

Wer schreitet da von altersher
durch Trias, Kreide und Alluvium?
Das ist der Erdenjahre-Millionär,
das Käfertier aus tiefstem Altertum.

Das ewig junge Käfertier
mit Panzer, Flügel und Antennen,
Er war schon immer da und hier,
sah Anden wachsen und Ardennen.

Dem Archeopterix hat er geschmeckt,
die Juraschnäbel fraßen seine Brüder.
Er legte Eier unterm Farn versteckt
Und überlebte immer wieder.

Er sah sie sterben, die Gewaltigen,
den Brontosaurus und die Luftgiganten,
versteckt im Felsenstein, dem spaltigen -
entkam dem Tritt des Mammutelefanten.

Der Erdenkluge, Einfallsreiche,
er lernte bohren, schwimmen, schweben,
der Herr der Krume und der Teiche,
er wird noch alle überleben.

Im Holz verwahrt, von Lehm bedeckt
verschreckte ihn noch keine Zeitenwende.
Er hat sich eingepuppt und klug versteckt
Und macht so weiter bis zum Weltenende.


DER ZIMMER-HELIKOPTER 


Sie ist Insekt, doch Säugetier zugleich.
Wo warmes Blut pulsiert, da ist auch sie.
Ein feingebauter Winzling, listenreich -
fliegt sie des Nachts zum Großen Halali.

Im Dunkeln sirrt und surrt sie dir ums Ohr,
sucht Venen ab, der kleine Helikopter!
Willst du ihn kriegen, kommt er dir zuvor.
Du hebst nur deine Hand, synchrongleich stoppt er.

Wer könnt ihn ökonomischer entwerfen,
er braucht kein Kerosin, braucht nur dein Blut.
Muss den probaten Stachel niemals schärfen,
sticht munter zu, speist ständig warm und gut.

Die Mücke ist Insekt und saugt zugleich.
Schon lang vor Dracula war sie Vampir.
Die Haut der großen Tiere ist ihr Reich,
ein Mensch im Schlaf ihr bestes Jagdrevier.












 

DAS NILPFERD

Es frisst (nach Brehm) gern Wasserhyazinthen,
hat ihre sanfte Anmut nie entdeckt,
ist kein Adonis vorne rum und hinten
und hält sich folglich gern  im Schlamm versteckt.

Es wird der Blumen Schönheit nie ermessen,
wird nie sie reinen Auges blühen sehn.
Ästhetik heißt beim Nilpferd nichts als fressen.
Es findet Blumen nur im Maule schön.

Im Zoo hab ich ein Nilpferd drum gescholten.
Vermutlich war es eine Nilpferdstute.
Sie tat, als hätte ihr das nicht gegolten
und hörte auch wohl gar nicht zu, die Gute.



MUMIENPRACHT

Ein Sommertag, das kühle Abendrot.
Und dann der Äther und die Atemnot.

Ich starb nicht durch den lauten Specht 
durch Marder nicht und fixe Maus,
Ein Sammler hob mich kunstgerecht
aus meinem süßen Moder raus.

Der Äther war’s, ein jäher Schmerz,
ein Schlag, ein nebelgrauer Schimmer,
dann war es aus und still das Herz
und finster wurde es für immer.

Weil ich so schön und farbenreich
ein Kunstwerk ohne Fehl und Tadel,
schweb ich im Schauglas, mumiengleich,
seit sechzig Jahren an der Nadel.


 © Werner Hadulla -  Illustration Hans Weber, Käfer Karl Hadulla