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Wofür?
 
Wer immer auf Renditen stiert,
sein ganzes Ich aufs Gold fixiert,
der bleibt ein amputierter Knabe.
 
Er sieht in Gottes schöner Welt,
nur Zinsen, Reingewinn und Geld,
mehrt gierig seine Habe.
 
Am Ende sieht er kränklich aus,
erbaut noch schnell ein neues Haus,
dann trägt man ihn zu Grabe.
 
Der Pastor predigt jämmerlich,
die Erben aber freuen sich
Sein Tod ist ihre Labe.
 
Fazit:
 
Zu früh für ihn,
und ohne Koffer geht
der reiche Mann
ans Sterben.
 
Beseligend
(für sie recht spät)          
wirkt's einzig auf
die Erben. "
 
 
„Dieser Kerl!“ sagte sie despektierlich. Falten standen auf Ihrer Stirn und verwundert sah ich, wie der helle Kranz um sie aufgescheucht flackerte. „Ist Dir so etwas heute nicht egal", frage ich. Dies waren, soweit ich mich erinnere, meine ersten Worte an sie. Hörbar lachte sie auf: "Du hast recht, aber wenn man wieder in die Materie taucht, kommt etwas von den alten Gefühlen." Schnell wurde sie wieder ernst: "Halten wir uns nicht auf, machen wir uns ans nächste Gedicht!"
 
Und sie berichtete, in der mir schon bekannten Kürze, über einen Unfall ihrer Nichte Charlotte im Sommer 1892. Bei einem Picknick im Grünen, als sie in einen Mohnkuichen biss,  übersah Charlotte eine dort naschende Wespe. Unter dem schmerzhaften Stich auf der Zunge musste das arme Mädchen wochenlang leiden. Friederike habe ihr damals geraten:
 
 
So soll man's richten:
Spaziere, atme tief
bei Fichten,
und bei Espen.
 
Doch speise drinnen nur.
Denn picknickst Du
am Busen der Natur,
ist dieser voller Wespen.
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