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Friederike Kempner hat ihren die Ohren spitzenden Lesern auch Naturgedichte gewidmet und persönliche Empfindungen anvertraut:
 
                                 Edelweiß
 
Von den höchsten Bergen
Kommst Du so weit her!
Weiße, samtne Blume
Intressierst mich sehr.
 
In den Augen meines Hundes
Liegt mein ganzes Glück,
All mein Innres, Krankes, Wundes
Heilt in seinem Blick.
 
0 Gott, Du weißt am besten, was uns frommt
Und gut ist alles, was von Deiner Güte kommt.
Allein die Menschen sind so schwach:
Sieh' ihnen lieber alles nach.
 
Besessen ist die Welt
Von Eigennutz und Geld,
Und alles ist zum -
Verzweifeln dumm.
 
 
Der letzten Auflage ihren Gedichte hat sie die Hoffnung vorangestellt: "Möge mit ihrem Erscheinen eine ideellere, wahrhaft humane Zeit eintreten." Sie hat, solange ihre Kraft reichte, weitergedichtet. Im Jahre 1904 man sie begraben.
 
O wisst ihr, was ich denke?
O nein, ihr wisst es nicht!
Wenn ich mich ganz versenke,
Dann denk ich ein Gedicht. 
 
Soweit also die historische Friederike Kempner. Ihre Gedichte - für Kenner ein Geheimtip - werden auch heute noch von einer kleinen Gemeinde gelesen. Ich will nicht verhehlen, dass ich dazu gehöre.

                                                                                ***
 
Auch in jener denkwürdigen Silvesternacht, mit der das 3. Jahrtausend begann, las ich sie.
 
Eigentlich aus Verlegenheit, denn ich hatte mich darauf gefreut, diese Nacht in ruhiger Atmosphäre mit meiner Gefährtin Corinna zu begehen. Aber gegen unsere Verabredung kam um 0 Uhr 05, mitten aus der lautfröhlichen Runde ihres Tennisvereins, ihr Anruf: in der Waldesruh gehe es lustig zu, ich sollte doch auch kommen.
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