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Zumal bald danach ein Zeichen kam, das mich hoffen lässt. Ausgerechnet Corinna hat es mir überbracht. Meine Freundin erschien am folgenden Nachmittag, sah fahl und zerschlagen aus. Lange habe sie gefeiert und danach ´echt schlecht´ geschlafen. ´Superbescheuert´ habe sie geträumt.  Sie brachte aus ihrer Tennisrunde gern Vokabeln jüngerer Partner mit, obwohl sie kurz vor 41 war. „Stell dir vor, von wem ich geträumt habe!“

Bestimmt nicht von mir. Ich wollte mich auf keim Gespräch einlassen.

„Du kennst Sie doch  - na deine Dichterin  - wie heißt sie noch …“

Sollte ich Ihr das abnehmen? Hat sie vielleicht ihre Gedichtsbände gesehen, lagen sie noch auf dem Tisch? Nein, sie standen unauffällig im Regal.

„Ich habe geträumt, dass sie vor mir saß und mich lange interessiert angeschaut hat. Aber dann habe ich wohl etwas Falsches getan, im Traum natürlich. Ich wollte von ihr wissen, was das neue Jahrtausend bringen wird. Bekloppt
- ich wollte von ihr wissen, ob die Menschen mit den Genen und Atomen zu Recht kommen werden, und wie sie wohl in tausend Jahren aussehen werden. In der Waldesruh haben wir darüber philosophiert und unsre Witze gemacht.“

Ausgerechnet ihr soll Frederike Kempner erschienen sein?

„Sie hat mich streng angeschaut, eine Zeitlang geschwiegen und dann unwirsch gesagt, diese Frage sei ungehörig. Lebende sollen das nicht wissen. Gleich darauf war sie verschwunden.“

Ich zweifelte. „Meinst du wirklich, dass es Frederike Kempner war?“

„Sie hat genauso ausgesehen wir auf den Fotos in Deinen Büchern, hat einen Glockenrock getragen. Was mich gewundert hat: ein heller Strahl, wie auf einem Heiligenbild, hat sie umgeben.

Diese Beschreibung überzeugte mich.

Und ich frage Sie, meine verehrten Leser, besonders die Skeptiker unter Ihnen: Wollen Sie auch Corinna nicht trauen?


Ich werde weiter auf sie warten.


© Werner Hadulla